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Auf fairen Sohlen

Ausbeutung, schlechte Arbeitsbedingungen und gesundheitliche Risiken – dadurch ist die rumänische Schuhindustrie gekennzeichnet. Mit handgemachten Schuhen will die Designerin Mihaela Glavan den Ungerechtigkeiten in der Branche etwas entgegensetzen.

Ein Raum voller Schuhe und fast alle sind schwarz. Rote High Heels auf einem Podest tanzen aus der Reihe. Mihaela Glavan huscht in Stiefeln aus veganem Leder durch ihren Showroom in Bukarest, um ihre Kundschaft zu beraten. Mit ihrer Arbeit distanziert sie sich vom schlechten Image der Schuhindustrie in Billigproduktionsländern wie Rumänien: Slow Fashion ist ihr Metier. Bei dieser Mode stehen Qualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund — langlebige Einzelstücke, die die Persönlichkeit der Trägerinnen und Träger unterstreichen sollen. Die faire Herstellung hat oberste Priorität.

Ein Zeichen gegen schnelle Mode

Billige Schuhe, die nach kürzester Zeit von der Fußsohle in die Mülltonne wandern, gibt es bei Mihaela Glavan nicht. Die Wegwerfgesellschaft und die Ausbeutung der Handwerkerinnen und Handwerker machen ihr Sorgen. Denn damit billige Schuhe in Industrieländern angeboten werden können, zahlen neben der Natur vor allem die Menschen in Billiglohnländern drauf — mit ihrer Gesundheit und ihrem Lebensstandard. Mit den Mindestlöhnen in der Schuhindustrie kann in Rumänien niemand eine Familie ernähren, die Arbeiterinnen und Arbeiter sind giftigen Chemikalien ausgesetzt und leiden in der Folge an gesundheitlichen Problemen. So könne es laut Schuhdesignerin Mihaela Glavan nicht weitergehen.

Von Bukarest nach Hong Kong

Vor 15 Jahren begann Mihaela Glavan, Schuhe zu designen. Mit umgerechnet 200 Euro Startbudget baute sie ihre eigene Marke auf, heute hat sie 20 Angestellte und ist international bekannt. Ihre Schuhe werden bis nach Asien exportiert. Die Nachfrage übersteigt derzeit das Angebot, bis März 2018 ist die Produktion ausgelastet. Glavan möchte expandieren, was jedoch eine Schwierigkeit birgt: „Die Modelle sind nicht leicht zu produzieren. Wir brauchen hochqualifizierte Arbeiter mit viel Kraft, da das Befestigen der Schuhsohle sehr anstrengend ist. Wir versuchen, Menschen für die Profession des Schusters auszubilden, haben dafür aber nicht die Kapazitäten.“ Denn Glavan ist es wichtig, den „starken Männern“ – so nennt sie ihre Schuster – ein gutes Gehalt zu bieten, weil die Löhne in der Branche üblicherweise niedrig sind.

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Rumäniens Lederliebe

Mihaela Glavans Schuhe und Stiefel kosten zwischen 200 und 300 Euro. Bei solchen Preisen lerne man das Produkt laut Glavan erst zu schätzen. Außerdem macht sie sich viele Gedanken über die verwendeten Materialien. „In Rumänien wird ein Schuh leider als schlecht angesehen, wenn er nicht aus echtem Leder ist. Da bedarf es noch an Aufklärung“, so Glavan. Denn beim Gerben von echtem Leder entstehen giftige Stoffe, die gesundheitsgefährdend für die Arbeiterinnen und Arbeiter sind und die Umwelt stark belasten. Vor allem aber macht sich Glavan Sorgen um die Tiere. Im Jahr 2018 forciert sie deshalb die Verwendung von veganem Leder — aus natürlichen Materialien, die so verarbeitet werden, dass sie echter Ledertextur verblüffend ähnlich sehen.

Ob die Herstellung von veganem Leder tatsächlich umweltschonender und besser für die Arbeiterinnen und Arbeiter ist, ist aber nicht belegt — immerhin werden auch hier Chemikalien eingesetzt. Dennoch ist Glavan bemüht, auf dem Laufenden zu bleiben, um immer das Beste für ihre Schuhe und die, die daran arbeiten, herauszuholen.


Text und Fotos: Christina Ozlberger

 

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