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Ein kleines Stück Rumänien in Graz

Seit 14. Februar 2017 gibt es in der Wielandgasse 23 den interkulturellen Verein Doina. BLANK hat die beiden Gründerinnen, Stela Michl und Bianca Deliu, zum Interview getroffen. Ihnen war es ein Anliegen, auch fernab der Heimat ihren Traditionen nachgehen und ihre Kultur ausleben zu können.
Wie groß ist die rumänische Community in Graz?

Die rumänische Community in Graz ist sehr groß, wir sind die zweitgrößte Minderheit der Stadt. Es leben ungefähr 8000 Rumäninnen und Rumänen hier. Im Vergleich zu anderen Communities sind wir aber aufgeschlossen, wir suchen den Dialog. Wir haben sogar eine orthodoxe Kirche hier in Graz, in der Sackstraße, gegenüber vom Schlossberg. Die Kirche ist ein Begegnungspunkt für die Rumänen in Graz. Wir haben dort zum Beispiel viele Leute kennengelernt die jetzt im Verein aktiv sind. In der Kirche halten wir jeden Sonntag eine Messe ab.

Was macht der Verein Doina? Kommen ausschließlich Rumäninnen und Rumänen her, um ihre Kultur und ihre Traditionen zu pflegen, oder nehmen auch andere neugierige Menschen an den Veranstaltungen teil?

Wir sind ein interkultureller Verein, wir möchten die Kulturen zusammenführen. Vergangenen Sommer zum Beispiel hatten wir unser erstes großes Fest, da haben wir den Tag der rumänischen Bluse gefeiert. Und nachdem wir ein interkultureller Verein sind, haben wir auch unser Fest so gestaltet. Letztes Mal haben wir mit der griechischen Community zusammengearbeitet und haben unsere Tänze, unseren Gesang und unsere Volkstracht gemeinsam präsentiert. Die Veranstaltung fand im Volkshaus statt und es sind über 350 Besucher gekommen. Das war einer unserer ersten großen Erfolge und wir hoffen, dass es jedes Jahr weitere und größere Erfolge werden. Feste sind aber nicht das Einzige, das wir veranstalten: Wir bieten auch Deutschkurse an, unternehmen Radtouren, kochen rumänische Spezialitäten oder stellen rumänische Handwerkskunst aus. Wir beschäftigen uns in erster Linie mit Integration, der rumänischen Tradition und der rumänischen Kultur.

Stela Michl freut sich, in ihrem Verein die rumänische Handwerkskunst auch Grazerinnen und Grazern näher bringen zu können.
Wie ist die Idee entstanden, den Verein zu gründen und wie wurde er angenommen?  

Der Verein, muss man fast sagen, war ein Wunder. Wir hätten uns nie gedacht, dass wir derart positive Reaktionen bekommen und dass der Verein so gut ankommt. Begonnen haben wir mit kleinen Workshops, bereits damals haben sich viele Interessentinnen und Interessenten gemeldet. Nachdem so viele Rumäninnen und Rumänen in Graz leben, möchten wir unsere vielfältige Tradition herzeigen. Bei uns im Verein gibt es Familien in denen die Eltern aus Rumänien stammen, die Kinder aber in Österreich geboren wurden. Diese Kinder kennen dann die rumänische Tradition nicht, das möchten wir ändern.

Wie machen Sie das?

Wir arbeiten in erster Linie in Workshops. Beispielsweise haben wir zu Ostern traditionelle rumänische Ostereier, die Ostereier der Bukowina, gebastelt. Außerdem haben wir unseren Frühlingsschmuck gebastelt, die Märzchen, und sie dann unter anderem in der Kirche verschenkt. Die Leute waren erstaunt, dass wir sie verschenken, sie haben immer gefragt, was der Schmuck denn kostet. Wir haben ihnen dann erklärt, dass das ein Geschenk ist. Denn das ist unsere Tradition, es wird selbst gebastelt und dann verschenkt. Und diese Tradition möchten wir auch fern ab der Heimat leben.

Wie geht es mit dem Verein Doina jetzt weiter?

Am 9. Dezember findet unser Weihnachtskonzert im Minoritensaal statt. Wir veranstalten es, um den rumänischen Nationalfeiertag nachzufeiern, der am 1. Dezember ist. Wir sind bereits fleißig am Üben und Vorbereiten.

Gibt es in Rumänien eine Nationaltracht, die man mit dem österreichischen Dirndl vergleichen könnte?

Ja, natürlich, und sie ist sehr beliebt. Es gibt die IE, das ist, sozusagen, das rumänische Dirndl. Man kann die Tracht wie eine Art Tunika beschreiben, übersetzt bedeutet IE „rumänische Bluse“. Sie wird auch immer öfter im Alltag getragen und wir tragen sie auch bei den meisten Veranstaltungen.

Wie würden Sie die rumänische Tradition, und die Art und Weise wie sie in Graz gelebt wird, beschreiben?

Man muss sagen, die Tradition wird jetzt erst wieder wirklich gelebt, zwischenzeitlich ist sie etwas in Vergessenheit geraten. Doch im Speziellen wir Rumänen, die jetzt im Ausland leben, lieben unsere Tradition, weil wir sie hier nicht haben. Die Traditionen sind wirklich spannend, zum Beispiel die rumänischen Hochzeiten bei denen jetzt viel öfter die rumänische Tracht Dresscode ist. Auch die, wirklich köstliche, rumänische Küche wird wieder geschätzt. Am 30. September, dem Tag der Migrantenvereine, waren wir am Mariahilferplatz und haben dort, unter anderem, unsere Küche präsentiert und die traditionellsten rumänischen Gerichte nachgekocht: Borretsch, das ist die Fleischknödelsuppe und Sarmale, das sind Krautrouladen mit Fleisch und Reis.


Text: Hannah Felbinger | Fotos: Simon Mayer

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