Zurück zum Content

Sechs ukrainische Politiker und Politikerinnen im Porträt

Präsident: Petro Poroschenko

PolitikerInnen_Poroschenko
Präsident Petro Poroschenko, auch bekannt als der Schokoladenfürst

Petro Poroschenko ist seit dem 7. Juni 2014 amtierender Präsident der Ukraine. Der 51-Jährige ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er gründete die  Mitte rechts ausgerichtete Partei „Block Petro Poroschenko“, die für eine Annäherung an die EU eintritt. Seine politische Laufbahn begann er 1998 als Abgeordneter im Parlament. Poroschenko vertritt bis heute die Meinung, dass Russland nicht nur Donezk und Lugansk, sondern die ganze Ukraine einnehmen will. Er konnte die Präsidentschaftswahlen 2014 mit einer absoluten Mehrheit von 54 Prozent für sich entscheiden. In der Bevölkerung wird Poroschenko oft als Schokoladen-Präsident bezeichnet. Diesen Spitznamen verdankt er dem Erwerb mehrerer Süßwarenfabriken. Die bekannteste davon ist der „Roshen-Konzern“. Vor der Wahl versprach Poroschenko die Firma zu verkaufen, tatsächlich besitzt er sie immer noch. Dieses und andere nicht eingehaltene Wahlversprechen, schaden seinem Ansehen in der Bevölkerung. Ein weiterer Rückschlag für Poroschenko war das Auftauchen seines Namens in den Panama Papers. Er wird dort mit der Gründung von Briefkastenfirmen in Verbindung gebracht. Anfang November wurde bekannt, dass Poroschenko der reichste Politiker der Ukraine ist. Aufgrund von Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) mussten alle Politiker ihr Vermögen offenlegen. Demnach verfügt der Präsident derzeit über ein Vermögen von 867 Millionen Euro.

  • Poroschenko tritt weiterhin für die Sanktionen gegen Russland ein
  • Poroschenko hat bereits zahlreiche politische Ämter bekleidet – unter anderem war er Vorsitzender des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates
  • Der Präsident besitzt seit 2003 einen eigenen TV Sender (5 Kanal)
  • Im Jahr 2015 haben Branchenexperten den Wert seiner Schokoladenfabrik auf 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt
  • Trotz des Krieges gibt es weiterhin eine Roshen-Fabrik in Russland – genauer gesagt in Lipezk. Diese soll aber im April 2017 geschlossen werden

Bürgermeister und Parlaments-Politiker: Vitali Klitschko

PolitikerInnen_Klitschko
Boxer und Oppositionspolitiker Klitschko kämpft in Kiew als Bürgermeister

Vitali Klitschko wurde in den 90ern als Profiboxer bekannt. Er gewann mehrere Weltmeisterschaftskämpfe und musste in seiner Karriere nur zwei Niederlagen einstecken. In seiner Laufbahn erarbeitete er sich den Spitznamen „Dr. Steelhammer“. Gemeinsam mit seinem Bruder Wladimir engagierte  er sich bei der„Orangen Revolution“, einer Protestwelle nach den Präsidentschaftswahlen 2004. Nachdem Klitschko 2006 und 2008 bei den Bürgermeisterwahlen scheiterte, gründete er 2010 die Partei UDAR. Vier Jahre später wurde der 45-Jährige zum Bürgermeister von Kiew gewählt. Im Zuge der Euromaidan-Proteste versuchte Klitschko, gemeinsam mit zwei anderen Oppositionsparteien, den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch, zu stürzen. Viel Kritik brachte ihm das Bündnis mit der rechtsextremen Partei „Swoboda“ ein. Im August 2015 vereinigte sich seine Partei UDAR mit dem „Block Petro Poroschenko“. Klitschko wurde im Zuge der Vereinigung Vorsitzender der Partei. Er wird immer wieder als Nachfolger von Poroschenko gehandelt.

  • Klitschko ist Vater von drei Kindern und seit 20 Jahren verheiratet
  • 2011 erschien ein Dokumentarfilm über das Leben von Vitali und Wladimir Klitschko
  • Die beiden Brüder mussten ihrer Mutter versprechen, niemals gegeneinander zu boxen
  • Klitschko wurde beim Euromaidan von Demonstranten tätlich angegriffen
  • Klitschko wurde vor allem für die Zusammensetzung seiner Regierung kritisiert

Parlaments-Politikerin Julija Tymoschenko

PolitikerInnen_Tymoschenko
Julija Tymoschenko: der blonde, geflochtene Haarkranz als Markenzeichen

Julija Tymoschenko wurde im Zuge der „Orangen Revolution“ international bekannt. Bei der damaligen Protestwelle kam sie mit ihrem Verbündeten Wiktor Juschtschenko an die Macht. Sie ist Vorsitzende der Partei „Vaterland“ und war zwei Mal Ministerpräsidentin der Ukraine, zuletzt von Dezember 2007 bis März 2010. Tymoschenko wurde im Oktober 2011 zu sieben Jahren Haft verurteilt. Ihr wurde bei einem von ihr verhandelten Gasabkommen mit Russland im Jahr 2009, Amtsmissbrauch vorgeworfen. Die 56-Jährige beteuert auch heute noch ihre Unschuld. Im Zuge der Maidan-Revolution wurde sie aus dem Gefängnis entlassen. Seither kämpft sie im Parlament um die Rückkehr in die Polit-Spitze.

  • Geboren am 27. November 1960 in Dnipropetrowsk
  • Der geflochtene Haarkranz war jahrelang das Markenzeichen von Tymoschenko
  • Die Haftbedingungen, unter denen sie leben musste, wurden oft kritisiert.
  • Tymoschenko trat im Gefängnis mehrmals in den Hungerstreik
  • Tymoschenko gilt als pro-westlich und befürwortet einen NATO-Beitritt der Ukraine

 Gesuchter Georgier in der Ukraine: Micheil Saakaschwili

PolitikerInnen_Saakaschwili
Politiker Micheil Saakaschwili wird in seinem Heimatland Georgien per Haftbefehl gesucht Credits: Eric Draper

Micheil Saakaschwili wurde in Tiflis in Georgien geboren. Er war von 2004 bis 2013 Präsident von Georgien. In dieser Zeit hat er sich den Spitznamen “Chefreformer” erarbeitet – er hatte gegen Korruption gekämpft und marktwirtschaftliche Reformen eingeführt. Seine autoritäre Politik brachte ihm allerdings auch Kritik ein. Mittlerweile wird Saakaschwili in seiner Heimat per Haftbefehl gesucht. Ihm  wird vorgeworfen, seine Amtsbefugnisse überschritten zu haben, als er 2007 in Tiflis eine Oppositionskundgebung blutig auflösen ließ. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft wanderte Saakaschwili in die USA aus. Im Jahr 2015 wurde er von dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko als Regierungsberater zurückgerufen. Kurze Zeit später, am 30.Mai 2015, wurde der gebürtige Georgier zum Gouverneur von Odessa gekürt. Die Nominierung gilt auch als Provokation gegenüber Russlands, da Georgien vom Kreml eher als feindliches Land betrachtet wird.ebenfalls ein Erzfeind des Kremls ist. In seiner Amtszeit attackierte Saakaschwilli die Regierung von Poroschenko oft mit harten Worten. Vor allem der ukrainische Premier Arseni Jazenjuk wurde von ihm für fehlenden Reformwillen kritisiert. Im November 2016 ist Saakaschwili als Gouverneur von Odessa zurückgetreten. Als Grund gab er den dafür ist laut ihm der schleppenden Anti-Korruptionskampf in der Ukraine an. Experten rechnen damit, dass er 2019 mit einer eigenen Partei bei den Parlamentswahlen antreten könnte.

 Bürgermeister von Lwiw: Andrij Sadowyj

PolitikerInnen_Sadowyj
Andrij Sadowyj, Bürgermeister von Lwiw und Gründer von „Selbsthilfe“

Andrij Sadowyj, geboren am 19. August 1968 in Lwiw, ist seit 2006 Bürgermeister der Stadt. Zuvor war er acht Jahre im Stadtrat tätig. Seit 2005 leitet er den Verein „Selbsthilfe“, der sich für Selbstverwaltung in der ukrainischen Politik einsetzte. 2009 trat Sadowyj aus der Partei des damaligen Präsidenten Wiktor Juschtschenko aus. Drei Jahre später wandelte er seinen Verein in eine politische Partei um, die beim ersten Antreten gleich drittstärkste Kraft bei den Parlamentswahlen 2014 wurde. Im Sommer 2016 geriet Sadowyj in die öffentliche Kritik, nachdem drei Feuerwehrleute bei einem Brand auf der Lwiwer Mülldeponie ums Leben kamen. Viele gaben dem Bürgermeister die Schuld: Er soll Warnungen der Gesundheitsbehörden ignoriert und sich nicht um die alte Müllhalde aus der Sowjetzeit gekümmert haben. Protestierende drangen im Juni ins Rathaus ein, besetzten das Rednerpult und forderten erfolgos den Rücktritt Sadowyjs.

  • schloss ein Studium an der ukrainischen Akademie für Staatsverwaltung beim Präsidenten der Ukraine ab
  • gründete 2006 den Nachrichtensender „24“ (24tv.ua/online/)
  • 2014 wurde sein Haus von einem nicht identifizierten Raketensprengkopf getroffen, der Dach und Fenster beschädigte
  • sein Nachname bedeutet übersetzt so viel wie „Garten“

Die neue Politiker-Generation: Hanna Hopko

PolitikerInnen_Hopko
Hanna Hopko in der Rada. Credits: Vadim Chuprina

Hanna Hopko wurde am 4. März 1982 in Hanatschiwka geboren. Seit 2005 arbeitete sie als Journalistin und machte auch als Aktivistin auf sich aufmerksam. Sie setzte sich unter anderem dafür ein, dass der Tabakkonsum in der Ukraine vermindert wird und erreichte ein allgemeines Rauchverbot auf öffentlichen Plätzen.
Nach dem Euromaidan gehörte Hopko der Aktivistengruppe “Reanimation Package of Reforms” (RPR) an, die sich dafür stark machte, dass der neue Präsident Poroschenko die Zivilbevölkerung miteinbeziehe und transparent arbeite. RPR wollte laut eigenen Aussagen den Maidan, der als Revolution der Würde begann, zu einer Revolution der Effektivität machen.
2014 war sie Mitgründerin einer Bürgerinitiative zur Einführung von Reformen in der Regierung und im selben Jahr kandidierte sie auf der Liste der Partei “Selbsthilfe” von Andrij Sadowy – Hopko wurde als Abgeordnete ins Parlament gewählt. Sie wurde Leiterin des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Am 31. August 2015 wurde Hopko aus ihrer Partei ausgeschlossen, nachdem sie Änderungen der ukrainischen Verfassung, welche zur Dezentralisierung des Staates geführt hätten, unterstützte.

  • Hopko war während der Orangen Revolution 2004 unter den Protestierenden auf Kiews Straßen
  • Sie lehnte angeblich Angebote der großen politischen Parteien ab, um, wie sie selbst sagt, im Gegensatz zur Regierung an „echten Reformen teilzuhaben“
  • Hanna Hopko ist verheiratet und hat eine Tochter