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Es war einmal… – Bastel dir dein ukrainisches Märchen

Jedes Land hat seine eigenen Märchen. Genauso haben diese Märchen ihre speziellen nationalen Eigenarten und Besonderheiten. Für dein typisches ukrainisches (Kunst-)Märchen braucht es also nur die richtigen Zutaten.
Text: Stefanie Burger

Prinzipiell ist jedes Märchen durch den gleichen Aufbau gekennzeichnet. Da gibt es zunächst einen Konflikt, danach das Finden einer Lösung und zum Ende hin die Auflösung des Konflikts. Von Sagen unterscheidet sich das Märchen vor allem dadurch, dass man nicht genau bestimmen kann, wo oder wann ein Märchen stattgefunden hat.

In Märchen werden Werte herausgearbeitet, die in dieser Region für die Bevölkerung kulturell wertvoll sind. So findet man in ukrainischen Märchen vor allem Tugenden wie Fleiß, Freigeist, Emotionalität, Gastfreundschaft und Humor. Da ein Märchen immer einen belehrenden Inhalt hat, ist man schon mal nicht schlecht beraten, wenn man eine der Eigenschaften herausstreicht. Ein Beispiel dafür wäre das Märchen „Och“, in dem dem einzigen Sohn einer Bauernfamilie die Faulheit  durch den Waldgeist Och ausgetrieben wird.

Ukrainische Märchen – Heldinnen einmal anders

Einer der großen Unterschiede zwischen ukrainischen Märchen und österreichischen Märchen liegt in der Rolle der Frau. In der Ukraine galt das Mutterrecht. Das heißt, dass die Erblinie nur auf der Seite der Frauen einer Familie verlief. Die finanzielle Abhängigkeit der Frau in den ukrainischen Märchen fällt somit weg. Der zweite wichtige Unterschied ist, dass Schönheit nicht zwingend wichtig ist. Während in deutschen oder österreichischen Märchen die Heldinnen meist von strahlender Schönheit sein müssen, um zu einem Happy-End zu gelangen, ist in der Ukraine die wichtigste Tugend einer Heldin der Fleiß. Ein Beispiel dafür ist das Märchen „Das goldene Pantöffelchen“, die ukrainische Version von Aschenputtel.

Bild einer Waldelfe
In ukrainischen Märchen bestrafen Elfen das Fehlen von Verstand.

Ukrainische Märchen – finde den Hauptcharakter

Sehr kennzeichnend für ukrainische Märchen sind einige ihrer Heldinnen und Helden, die man nur in ukrainischen Märchen findet. Da hätten wir zum Beispiel den wiederkehrenden Charakter des siebenjährigen Mädchens. In jedem Märchen ist die junge Dame genau sieben Jahre alt.

Das Ukrainische Gegenstück zum gestiefelten Kater ist  der Herr Kater. Ein alter Stubentiger, der von seinem ehemaligen Besitzer im Wald ausgesetzt wird um zu sterben.  Der gerissene alte Kater hat mit seinem Leben jedoch noch nicht abgeschlossen und erlebt im Wald verschiedene Abenteuer.

Wem etwas Gruseligeres vorschwebt, der kann auch auf düstere Figuren zurückgreifen. Da wären zum Beispiel die Hexe Eisennase oder ein fliegender Stutenkopf.

Weder schwarz noch weiß

Was den westlichen Leser vielleicht etwas verwirrt, ist das Fehlen von klaren bösen Figuren. Dieser Umstand ist vermutlich darauf zurück zu führen, dass die meisten Märchen in der Ukraine vor dem Aufkommen des Christentums entstanden sind. Wenn der „Bösewicht“ jemanden bestraft, dann hauptsächlich zur Belehrung. Zum Beispiel bestrafen Elfen das Fehlen von Verstand.

Symbole setzen

Zu jedem Märchen gehört ohne Frage eine sehr bildhafte Sprache. Auch den ukrainischen Märchen mangelt es daran nicht; sie werden mit Hilfe zahlreicher Symbole und Zeichen erzählt. Ein tiefer Wald kann für die Unterwelt stehen. Taucht in einem Märchen ein Handtuch auf, gibt dieses mitunter einen Hinweis auf den Tod – das Handtuch steht dabei für das Totentuch.

 

Legt los, wir sind gespannt auf eure Märchen. Mehr Anregungen findet ihr hier: http://www.maerchen-welt.net/ukrainische-volksmaerchen/