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Sie sammeln Geld für den Krieg im eigenen Land

Nicht nur die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten setzen sich im Krieg für ihr Land ein. Auch Privatpersonen kämpfen jeden Tag auf der Straße um Unterstützung. Die Collectors haben es sich zur Aufgabe gemacht, Geld für Menschen im Kriegsgebiet im Osten der Ukraine zu sammeln.
Text: Simon Gruber, Foto: Katrin Rathmayr

Der verschneite Maidanplatz ist ein beliebter Ort für die Collectors, denn alle TouristInnen kommen während ihres Aufenthaltes hier mindestens einmal vorbei. Zahlreiche Angehörige besuchen die danebenliegenden Gedenkstätten der Opfer der Revolution vor drei Jahren. „Ich stehe hier fast jeden Tag und werde es so lange tun, bis der Krieg vorbei ist“, erzählt Marija in gebrochenem Englisch. Zwei Freunde der 49-Jährigen sind im Krieg mit Russland bereits gefallen. „Nun sammle ich für viele Freunde, die an der Front jeden Tag frieren müssen“, sagt Marija und zeigt ihre Spendenbox, in der sich an diesem Tag noch nicht viel Geld befindet.

Der Krieg mit Russland verschlingt Millionen  

Wirtschaftlich ist die Ukraine nach einem großen Rückschritt in den letzten zwei Jahren wieder auf dem Weg der Besserung (Quelle: Länder-Analysen). Dennoch ist das Budget schwer belastet, denn der Krieg kostet geschätzte fünf Millionen Euro pro Tag, so die ehemalige Finanzministerin der Ukraine Natalija Jaresko im Interview mit der Tageszeitung “Der Standard”. Fünf Millionen, die die Regierung nicht hat, aber gegen einen mächtigen Kriegsgegner wie Russland unbedingt benötigt.

Spendensammler: “Sollte es nötig sein, werden wir Waffen schicken”

Marija mit Spendenbox
Warm bekleidet sammelt Marija mit ihrer Spendenbox damit auch die Soldaten an der Front nicht frieren. (c) Simon Gruber

Oresta Brit engagiert sich ebenfalls für die Organisation. Sie ist ehemalige Miss Kiew und kämpft seit Juli 2014 als Freiwillige in der sogenannten “Anti-Terror Operation Zone” im Osten der Ukraine. „Unser Ziel ist es Soldaten zu unterstützen, die ihr Leben riskieren um die ukrainische Grenze zu schützen.” Projekte, die zuletzt unterstützt wurden, sind Zahnbehandlungen für Soldaten und eine Operation für ein Flüchtlingsmädchen. “Im Moment beschränkt sich unsere Hilfe auf warme Kleidung und Medizin, aber sollte es in Zukunft nötig sein, werden wir Waffen kaufen und sie an die Soldaten schicken”, sagt Brit. Bei ihrer Mission hat sie einen klaren Feind vor Augen: “Ich helfe dabei unser Land gegen Kriminelle und russische Eindringlinge zu verteidigen.”

Sammeln bis zum Schluss  

„Ich bin überzeugt davon, dass die Ukraine im Recht ist. Russland hat uns angegriffen und wir müssen unser Land verteidigen“, sagt auch Julija, die sich auch als Spendensammlerin engagiert. Doch bei vielen UkrainerInnen ist die Spendenbereitschaft seit Beginn des Krieges im März 2014 geschrumpft. „Am Anfang habe ich deutlich mehr eingenommen als jetzt“, erzählt die 23-Jährige. Ihre Einnahmen betragen, im Vergleich zum Beginn des Krieges, gerade einmal die Hälfte. Sie wird trotzdem weiter sammeln. Genau wie hunderte andere Collectors. So lange bis der Krieg endlich vorbei ist.