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Falschmeldungen und russischer Propaganda auf der Spur

Jeder kennt sie und keiner weiß so recht was er oder sie dagegen tun kann: Falsche politische Berichte im Internet. Yevhen Fedchenko hat sich mit der Plattform StopFake.org der Aufgabe gewidmet, Falschnachrichten und Propaganda aufzudecken.

Text: Lena Obermaier,  Fotos: Boris Böttger, Daniela Schmid

Russische Propaganda und die Verbreitung von verfälschten Nachrichten spielt nicht nur in der Ukraine eine Rolle. Plattformen, wie Russia Today (RT), Voice of Russia und Sputnik fluten den europäischen und amerikanischen Medienmarkt geradezu mit Fake-Nachrichten. Sputnik wird beispielsweise schon in über 40 Sprachen übersetzt und RT verwendet ausgeklügelte Methoden, um bei der Suchmaschinenoptimierung ganz vorne zu liegen. „Auf eine kluge Art, stellen sie sicher, dass wenn jemand nach ‚Ukraine’, ‚Russland’ und ‚Krieg’ googelt, er Ergebnisse von Sputnik und RT zugespielt bekommt“, meint dazu Yevhen Fedchenko, „Das heißt nicht, dass viele Menschen dem sofort Vertrauen entgegenbringen. Es wird schrittweise aufgebaut. Zuerst verschafft man sich Zugang zum System [der heimischen Berichterstattung] und beginnt mit den lokalen Medien zu konkurrieren. Dann versucht man eine bessere Position in den online Suchmaschinen zu bekommen. Schlussendlich probiert man die Berichterstattung zu dominieren oder verursacht eine Menge Verwirrung. Sie bombardieren einen mit dem ganzen Unsinn und Verschwörungstheorien bis man frustriert ist und nicht mehr weiß, wem man vertrauen kann.“

Schaden nimmt der Journalismus

Das große Problem von manipulierten und verfälschten Nachrichten ist nicht nur die Stimmungsmache, sondern auch, dass Journalismus an sich seine Reputation verliert. StopFake.org versucht Fakten in der Berichterstattung zurückzubringen. Fedchenko kritisiert zudem, dass die meisten Nachrichten die LeserInnen über Facebook erreichen:  „Wir leben in einer postfaktischen Zeit. Jeder hat eine Meinung zu allem und glaubt, dass seine Meinung sehr viel wert ist. Aber die Frage ist, wie fundiert diese Meinungen sind. Kommt sie nur davon, was Freunde auf Facebook posten, dann würde ich sagen: ‚Nein, sie ist nicht gut fundiert.’ Aber das dominiert. Wir bekommen unsere Nachrichten von Facebook. Wir bilden uns unsere Meinung auf Facebook. Wir betreiben politischen Aktivismus auf Facebook.” JournalistInnen müssen nun Aufklärungsarbeit leisten, damit Manipulationen und Falschnachrichten von MedienkosumentInnen schnell erkannt werden. „Wenn russische Panzer in Österreich auftauchen, würdest du es bemerken, aber wenn russische Propaganda sich breit macht, passiert das im Stillen. Die Frage ist, wie schnell wir uns darauf einstellen können und was wir damit machen. Aber trotz all dem bin ich optimistisch. Es ist nur viel Arbeit”, meint Fedchenko.

Ein Bild von Yevhen Fedchenko, der sich zum Ziel gesetzt hat, Russische Propaganda aufzudecken
Yevhen Fedchenko und seine Plattform StopFake.org haben sich zum Ziel gesetzt russische Propaganda zu entlarven

Offensichtliche Manipulationen und Propaganda werden oft nicht erkannt

Eine der wichtigsten Geschichten die StopFake.org aufgedeckt hat, stammt vom März 2014, als das russische Fernsehen versuchte den Anschein zu erwecken, dass unzählige ukrainische Flüchtlinge sich in langen Autokolonnen zur russisch-ukrainischen Grenze im Norden aufmachen. „Aber das Grenzschild zeigte, dass es die Grenze zwischen der Ukraine und Polen war, die immer sehr verstopft ist. Dort sind wahrscheinlich jetzt auch hunderte Autos, weil viele Menschen hin und her pendeln“, erzählt Fedchenko, „Das war eine offensichtliche Manipulation. Mein Kollege rief dann in der russischen Immigrationsbehörde an und sagte: ‚Ich habe im Fernsehen eine Kolonne Menschen an der ukrainischen Grenze gesehen. Wie viele Personen haben um ein Flüchtlingsvisum angesucht?’ Und die Dame entgegnete: ‚Fünf.’“