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Stop Fake News – Mit der Wahrheit ans Licht

Aufgrund der vorherrschenden Medienberichterstattung in den letzten Jahren, wird die Ukraine zumeist mit negativen Begriffen in Verbindung gebracht. Aufstände, Krieg, Faschismus oder gescheitertes Land. Besonders der Kampf um die Halbinsel Krim mit dem großen Nachbarn Russland ist immer wieder Thema in diversen europäischen Medienhäusern. Aber wie viele der in Europa verbreiteten Nachrichten entsprechen der Wahrheit und beruhen auf Fakten? Wie viele davon sind bewusste Falschmeldungen oder bloße Panikmache?
Text und Audio: Michael Gratzer und Stefan Haller, Foto: Michael Gratzer

Yevhen Fedchenko ist Mitbegründer von „stopfake.org“ und Direktor der Mohyla School of Journalism. Er hat sich mit einem Team aus rund 25 JournalistInnen, StudentInnen und MitarbeiterInnen der Fakultät das Ziel gesetzt, die Wahrheit ans Licht zu bringen. In den zwei Jahren seit Gründung von Stopfake konnten bereits über 1.000 Falschmeldungen widerlegt werden. „Wir machen es nicht nur, weil diese Unwahrheiten schlecht für die Ukraine sind. Wir machen es auch, damit die Menschen nicht den Glauben an den Journalismus verlieren“, haben sich Fedchenko und seine Mitstreiter einer Mission verschrieben. Elf verschiedene Sprachen stehen den Besuchern auf der Website mittlerweile zur Verfügung. Möglichst viele Menschen sollen so Zugang zur Wahrheit haben.

Russische Propaganda als Gegenspieler

Investigativer Journalismus bringt Gefahren und Gegner mit sich. Dessen sind sich Fedchenko und seine Teammitglieder bewusst. Im Falle von Stopfake gehen die Autoren auf Konfrontationskurs mit Russland. Dort werden aufgrund der Propaganda insbesondere in der russischen Medienlandschaft die meisten Falschmeldungen verbreitet und damit Vorurteile geschaffen. Als Beispiel nennt Fedchenko einen Bericht mit einem Foto von brennenden Häusern und Fahrzeugen in der umkämpften, ostukrainischen Stadt Donezk. Nach kurzer Recherche von Stopfake stellte sich schnell heraus, dass das Bild jedoch bei einem Zugunfall in Kanada aufgenommen wurde. „Das größte Problem dabei ist, dass die Leute einfach zu faul und bequem sind, die Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Einfache Dinge wie eine Google-Suche würden schon ausreichen. Sie glauben alles und teilen es dann in den sozialen Medien. Der Fakten-Check fällt komplett weg“,  führt der Direktor weiter aus.

Investigativer Journalismus am Vormarsch

Journalismus bewegt sich aber wieder zurück zum Ursprung. Laut Fedchenko werden mittlerweile wenige News geschrieben, um jemandem zu gefallen. Journalisten versuchen nun immer öfter, Missstände aufzudecken. Gerade deswegen sieht Fedchenko die Branche in einem Aufschwung: „Investigativer Journalismus wird immer wichtiger, daher ist es jetzt eine gute Zeit für Journalisten in der Ukraine.“ Früher nutzte die Regierung vor allem Medien, um das Volk zu manipulieren. Auch deswegen wollen heutzutage junge Journalisten eher für kleinere Medienhäuser und Start-ups als für große, von der Regierung unterstützte, Medienkonzerne schreiben. Obwohl sie wissen, dass sie dort weniger Geld verdienen: „Wir machen es, um den Menschen die Wahrheit zu geben.“

Ausschnitte des Gesprächs mit Yevhen Fedchenko gibt es hier zum Nachhören: