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Beziehungststatus: Österreich – Ukraine

Vor den Protesten 2013/14 am Euromaidan war Österreich der viertgrößte Investor in der Ukraine. Unternehmen wie die Raiffeisen Bank, die Erste Bank oder die Grazer Wechselseitige hatten sich am ukrainischen Markt etabliert. Doch mittlerweile planen Unternehmen wie man sich wieder zurückziehen kann. Gründe dafür sind Unsicherheit in der Wirtschaft und im Rechtssystem, weiß Andreas Wenninger vom Österreichischen Austauschdienst (OeAD).
Text: Daniela Schmid und Maximilian Prasch, Foto und Video: Daniela Schmid

Wenninger ist Leiter des Büros des OeAD an der „Nationalen Iwan-Franko-Universität“ in Lwiw. Eine der Hauptaufgaben des Österreichischen Austauschdienstes in der Ukraine ist die Bildung einer Basis für Kooperationen im Forschungs- und Bildungssektor zwischen Österreich und der Ukraine. Dadurch entstehen zum Beispiel Partnerschaften mit österreichischen und ukrainischen Universitäten und Schulen. Weiters hat es sich der OeAD zur Aufgabe gemacht, Werke der ukrainischen Literaturgeschichte ins Deutsche zu übersetzen – zum Beispiel die des Nationaldichters Iwan Franko. Die deutsche Sprache soll so im ukrainischen Raum gestärkt werden.

Gemeinsame Geschichte

Eine zentrale Aufgabe des OeAD ist es, die historischen Verbindungen zwischen der Ukraine und Österreich aufzuzeigen. 1772 fiel nach dem Krieg zwischen Österreich, Preußen, Russland und Polen der Westen der heutigen Ukraine an die Habsburger. Bis zum ersten Weltkrieg war Lwiw daher Teil von Österreich. Heute noch findet man Bauten und Häuser im Barock-Stil. Sie sind auf die Habsburgerzeit zurückzuführen. Für viele UkrainerInnen war diese Zeit eine der besten in der gesamten Geschichte der Ukraine. Ein Großteil der ukrainischen Bevölkerung verband Österreich daher mit einem sehr positiven Bild. Schlagartig geändert hat sich dieses Bild als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass russische Oligarchen Konten an österreichischen Banken eröffneten. So mussten sie weniger Steuern in Russland zahlen. Die UkrainerInnen sahen daraufhin in Österreich einen „Verbündeten“ von Russland – das gute Image der Österreicher war damit angeschlagen.

Unruhen auch in Lwiw

Infolge der Ereignisse rund um den Euromaidan 2013/14 verbesserte sich das Bild Österreichs in der Ukraine wieder: Zahlreiche Verletzte, beispielsweise mit Schusswunden an den Augen, wurden für Behandlungen und Operationen nach Wien gebracht. Andreas Wenninger ist seit mittlerweile 16 Jahren in der Ukraine und hat die Orange Revolution 2004 und den Euromaidan 2013/14 miterlebt: