Pun(tigamer)ische Kriege


In der Nordkurve der Grazer UPC-Arena stehen die aktiven Fans des österreichischen Fußballmeisters SK Puntigamer Sturm Graz. Derzeit haben sie nur ein Ziel: Sie wollen den SK Sturm zurück. Eine Kommerzkritik im 21. Jahrhundert.

Fans vergessen nie. Selbst in der Stunde der Ekstase vermittelt die Nordkurve ihre Botschaft. Ihr Verein hat gerade die entscheidende Schlacht um den dritten Meistertitel erfolgreich geschlagen, als sie ihr derzeit liebstes Transparent ausrollen. „Im Ăśbrigen sind wir der Meinung, dass der Sponsor aus dem Vereinswappen entfernt werden muss”, weht in groĂźen römischen Lettern von der TribĂĽne. Cato, der Ă„ltere, hätte seine Freude gehabt.

Jede Senatsitzung soll der Feldherr und Staatsmann mit ähnlichen Worten, die die Sturm-Fans nun für sich abwandelten, die Zerstörung Karthagos gefordert haben. Ein langer Kampf, den Georg Kleinschuster noch vor sich hat. Kein halbes Jahr ist vergangen, seit er und andere Mitglieder des SK Puntigamer Sturm Graz bei der letzten Vereins-Generalversammlung einen Antrag unter dem Titel „Freiheit für Sturm“ einbrachten. Doch nicht nur das im Spruchband erwähnte Vereinswappen, auch der Vereinsname soll laut diesem befreit werden – vom Bierhersteller Puntigamer, dem Hauptsponsor des Vereins. Puntigamer als Hauptsponsor sei nicht das Problem. Die Fans wollen etwas anderes: „Es geht nicht um eine Anti-Kommerz-Revolution“, erklärt Kleinschuster, der dem Fanklub „Sturmflut“ vorsteht. „Wir wollen das Beste für unseren Klub. Und das wäre die Stärkung der Marke ‚SK Sturm’.“
Dabei kennt es Kleinschuster selbst gar nicht anders. Als er Anfang der 90er-Jahre anfängt, regelmäßig Spiele zu besuchen, ist Sonnenkönig Hannes Kartnig Sturm-Präsident und die Kommerzialisierung im Verein weit vorangeschritten. SK Stabil Fenster Sturm Graz lautet der offizielle Vereinsname. Nicht der erste in der 100-jährigen Geschichte des Vereins. Bereits 1968 erschloss der Klub mit dem statutarisch erfassten offiziellen Namen SK Sturm-Durisol zusätzliche Einnahmen – als erster Verein Österreichs.

Diese Tatsache fĂĽhrt bei der Generalversammlung im Jänner zu einer absurden Situation. Als die Diskussion ĂĽber „Freiheit fĂĽr Sturm“ zu kippen droht, versucht Vize-Präsident GĂĽnter Niederl im Namen des Vorstandes gegen die Initiative zu argumentieren: „Denkt doch an unserer Tradition der sponsorengestĂĽtzten Vereinsnamen.“ Seine Worte beruhigen niemanden. Denn gerade die Tradition von vor 1968 ist fĂĽr die Initiatoren selbst eines der SchlĂĽsselargumente. Andere sind finanzieller Natur. „Die gesamte Kurve erwirbt aufgrund des aktuelle Logos keine Fanartikel, auĂźerdem gibt es Studien, die belegen, dass nicht-sponsorengestĂĽtzte Marken mehr Geld ĂĽber andere Sponsoren lukrieren”, erklärt Kleinschuster. Daran glaubt der Vorstand nicht.
Die Entscheidung bleibt aber aus. „Wir wollen gemeinsam eine Lösung finden“, erklärt Kleinschuster, warum kein Antrag gestellt wurde. „AuĂźerdem wollen wir erst nach Ablauf der aktuellen Verträge mit Puntigamer im Jahr 2014 ein neues Logo.” Eine Arbeitsgemeinschaft und eine Studie soll jetzt eine Annäherung der beiden Fronten bringen. Bis dahin wird weiterhin das Transparent mit den römischen Buchstaben die Nordkurve zieren. Fans vergessen eben nie. Nicht auf ihre Schlachten. Auch wenn diese Pun(tigamer)ischen Kriege ebenfalls drei Aufeinandertreffen benötigen könnten. Das zweite folgt im Jänner 2012, da ist nächste Generalversammlung zum Thema geplant.

Peter Wagner

2 Comments to “Pun(tigamer)ische Kriege”

  • Tolle Informationen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr beschaeftigen! Freue mich auf die naechsten Beitraege!

  • Im Ăśbrigen sind wir der Meinung, dass der Sponsor aus dem Vereinswappen entfernt werden muss

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